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Last updateWed, 14 May 2014 11am

Kleinkindhafte Weltauffassung

Die Weltauffassung des Vorschulkindes differiert gravierend von dem Weltverständnis des Erwachsenen. Das Kind hat einen minimalen Erlebnisschatz und kann bislang nicht kohärent

denken. Als alleinigen Relationspunkt hat es sich selbst, seine Wünsche, Gefühle und Erfahrungen;

die Dinge aus Distanz sehen, sie werturteilsfrei registrieren, kann es noch nicht.

Mithin nimmt es an, daß selbige mit denselben Charakteristika und Befähigungen ausgerüstet sind wie es selbst (Egozentrismus).

Die unbelebte Welt wird anthropomorphisiert, sie ist nichts vom Menschen Unabhängiges. Beweggrund und Reaktion können in ihrer Verbindung bislang nicht gesehen werden (mangelndes Kausalempfinden). Auf die Frage 'warum?' gibt es für das kleine Kind lediglich die Vollziehung einer Aufgabe (Finalismus). Alles hat seine gänzlich bestimmte Aufgabe in der Weltanschauung des Kindes.

Das Denken des Kindes ist transzendent. Naturereignisse werden vermittels geheimer Kräfte und höherer Mächte initiiert. Aus diesem Grund entsteht eine Weltanschauung glaubend an die magischen Gestalten der Kinderstube und der Märchengeschichten.

Das Denken ist zusätzlich prälogisch und rezeptionsgebunden. Es kann nicht abstrahiert und induziert, und ein Vorgang mag nicht als umkehrbar vorgestellt, werden. Das Bewusstsein für Entwicklungen fehlt immer wieder bzw. die Einschätzung von Veränderungen ist nur an die Rezeption gebunden. Egozentrismus und Anthropomorphismus bewirken eine starke emotionale Besetzung der Umwelt.

Positive und negative Gefühle und Erfahrungen vereinen sich mit Personen, Objekten und Orten, welche allein zufälligerweise Korrelation mit den Geschehnissen haben (physiognomische Auffassung der Umwelt). Emotionelle Programmierungen in diesem Alter mögen die Grundhaltung des Kindes zu seiner Umgebung gravierend verändern.

Der Scheitelpunkt der kleinkindhaften Weltauffassung fällt ins 4. Altersjahr und wird dann allmählich abgebaut. Der gewichtige Ablaufschritt zur Reduzierung der magischen Weltauffassung ist die Entdeckung der Kondition der Eigenbewegung alles Lebenden.

Leblosen Dingen werden nun keine menschlichen Eigenschaften mehr zugeschrieben, das Denken wird laufend wirklichkeitsnäher. Gegen Ende der Vorschulzeit beginnen sich Praxis und Denken miteinander zu koinzidieren und die Generalisierung von Einzelerfahrungen wird realisierbar.